Der Mensch im Mittelpunkt einer erfolgreichen Digitalisierung

Im Gespräch mit Nils Gutsche, Vorstand und CVO der brainymotion AG

Die brainymotion AG mit Sitz in Frankfurt am Main verhilft Menschen durch auf individuelle Bedürfnisse abgestimmtes, funktionsbezogenes Training zu mehr Erfolg im Beruf. Ihre innovativen und praxisnahen Weiterbildungen zu relevanten Themen wie unter anderem MS Azure, Office 365, DevOps sowie Scrum vermitteln nachhaltiges Können – vom Einzelplatztraining bis zum Migrationsprojekt. Flexible Trainingslösungen, modernste Informationstechnologie und erfahrene, zertifizierte Trainer sichern den Erfolg und die Freude am Training. Im Interview mit Vorstand Nils Gutsche sprechen wir heute über lebenslanges Lernen, die neuen Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 und das wenig bekannte und bisher weitestgehend ungenutzte Qualifizierungschancengesetz.

Entscheider kompakt: Für eine erfolgreiche Digitalisierung in den Unternehmen sind Mitarbeiter der Schlüssel. Darin sind sich viele Experten einig. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Faktoren für motivierte Mitarbeiter im Unternehmen?

Nils Gutsche: Ganz klar: Freude und Wertschätzung. Freude ist ein stark intrinsischer Faktor und kann beispielsweise erzeugt werden durch ein gutes Betriebsklima mit einer zum Unternehmen passenden Kommunikationskultur, in der Mitarbeiter sich wohlfühlen. Wertschätzung auf der anderen Seite muss gegeben werden, ist also extrinsisch. Diese Wertschätzung kann über viele Wege ausgedrückt werden, so etwa über ein simples ‚Danke‘ an der richtigen Stelle, zielführende Weiterbildungen, besonders aber durch ein gesundes Gleichgewicht aus Fordern und Fördern, sodass der Mitarbeiter in der Lage ist, das Beste aus sich herauszuholen und so wirklich etwas zu bewegen.

Entscheider kompakt: Digitalisierung ist ein Megatrend. Viele Menschen fühlen sich abgehängt oder sind für den zukünftigen Arbeitsmarkt nicht wirklich einsatzfähig. Ist die Qualifizierung der Schlüssel für die Lösung dieses Problems? Wie lautet der Vorschlag?

Nils Gutsche: Bevor wir zur Lösung kommen, ein kurzes Wort zur Ursache: Traditionell gehen wir zunächst zur Schule und dann in die Ausbildung oder ins Studium. Das dort vermittelte Wissen nehmen wir sozusagen „auf Vorrat“ auf. Dies hat in der Vergangenheit oftmals ausgereicht, um die nächsten 40 Jahre, mit vereinzelten Weiterbildungen, im Job sicher und gut zu bewältigen. Die Digitalisierung hat diese Situation drastisch verändert: Das Wissen aus Schule und Ausbildung reicht nun oft nur noch für die ersten zwei bis fünf Jahre im Berufsleben, da sich ganze Berufsfelder so schnell verändern, dass das Gelernte schneller obsoleter wird. Zusätzlich braucht es verstärkt Wissen über den Umgang mit den technischen Werkzeugen. Bestes Beispiel ist hier Microsoft Office. Vor 10 Jahren wurde hauptsächlich mit Word, Excel, PowerPoint und Outlook gearbeitet. Heute kommen über Microsoft Office 365 Kollaborationstools wie Microsoft Teams hinzu, die klassische E-Mails in vielen Fällen ablösen. Kommunikation findet per Videotelefonie statt und Dateien liegen gut teilbar mit den Kollegen in der Cloud – mit dieser anderen und neuen Art der Zusammenarbeit muss man erst einmal umgehen können. Zusätzlich verändern sich die Tools ebenfalls in einer deutlich höheren Geschwindigkeit als früher.

Daher ist es meines Erachtens nicht nur ein Vorschlag zur Lösung, Wissen nicht mehr ausschließlich auf Vorrat zu erlernen, sondern kontinuierlich und ein Leben lang. Das ist eine zwingende Notwendigkeit, um dem Puls der Zeit langfristig einen Schlag voraus zu sein.

Entscheider kompakt: Sie haben es eben schon angesprochen: Worin unterscheidet sich das Vorratslernen vom lebenslangen Lernen?

Nils Gutsche: Die Arbeitswelt verändert sich rasend schnell, komplette Jobprofile fallen weg, gänzlich neue kommen hinzu. Bei dieser Veränderungsgeschwindigkeit ist es kaum möglich, Wissen auf Vorrat zu lernen und dann abzurufen, wenn das Wissen gebraucht wird. Die Änderungen sind meist zu gravierend, als dass das Gelernte adaptiert werden kann. Lebenslanges Lernen ist das genaue Gegenteil davon. Es geht, wie der Ausdruck schon sagt, um eine kontinuierliche Aufnahme des benötigten Wissens, sodass im Anschluss die direkte Umsetzung erfolgen kann. So bleibt das Gelernte nachhaltig und der Mehrwert ist am größten.

Entscheider kompakt: Die Anforderung der neuen Arbeitswelt 4.0 sind für viele Unternehmen wirklich gigantisch. Was würden Sie Unternehmen und den entsprechenden Personalabteilungen empfehlen, um Mitarbeiter hier optimal vorzubereiten und somit die Motivation der Mitarbeiter und den Erfolg der Unternehmen zu steigern?

Nils Gutsche: Erstens: Beschäftigen Sie sich mit dem eigenen Skillset. Und zweitens: Heben Sie gleichzeitig das Thema lebenslanges Lernen in die strategische Ebene der Geschäftsführung. Beide Punkte sind unerlässlich, um wettbewerbsfähig zu sein, um wachsen zu können und um schlussendlich Innovation betreiben zu können. Denn Wissen bzw. Können ist die Währung der Zukunft.

Entscheider kompakt: Ihr Unternehmen hat sich sehr erfolgreich auf IT Schulungen spezialisiert. Dabei werden alle entscheidenden Bereiche angeboten. Von IT- und Management-Themen wie MS Azure und Office 365, bis hin zu DevOps, Scrum und Co. Wie schaffen Sie es, das gelernte Wissen in praktisches Können zu überführen?

Nils Gutsche: Am einfachsten ist das mit einem Beispiel aus dem Sport zu erklären: Stellen Sie sich vor, Sie möchten den Schmetterlingsstil im Schwimmen erlernen. Dafür brauchen Sie zunächst die Theorie, die Ihnen erklärt, wie Sie Ihre Arme bewegen müssen, wann Sie mit Ihrem Kopf unter, wann über Wasser sind etc. Können Sie danach in ein Becken springen und perfekte Bahnen im Butterfly-Stil schwimmen? Sehr wahrscheinlich nicht. Das liegt hauptsächlich daran, dass Ihnen zwei essenzielle Faktoren fehlen: Zum einen braucht es einen Trainer beziehungsweise einen Coach, der Sie unterstützt und mit Ihnen an Verbesserungen arbeitet, und zum anderen brauchen Sie schlicht und einfach Übung. Dieses Prinzip haben wir auf unsere Trainings übertragen. Daher stellen wir unseren Teilnehmern in jeder Trainingsmethode neben der Theorie einen persönlichen Coach zur Seite. Zusätzlich sind die Trainings so aufgebaut, dass die Inhalte während der Trainingszeit in einer eigens zur Verfügung stehenden Übungsumgebung praktisch umgesetzt werden.

Entscheider kompakt: Das Qualifizierungschancengesetz bietet nicht nur Arbeitnehmern, sondern auch Arbeitgebern die Möglichkeit, wichtige und sinnvolle Qualifizierungsmaßnahmen vom Staat entsprechend fördern zu lassen. Die Idee dabei ist, dass sich Unternehmen für den Strukturwandel optimal vorbereiten können, damit Menschen in Arbeit bleiben. Was würden Sie sämtlichen Entscheidern, unabhängig von der Größe ihres Unternehmens, generell empfehlen, dass dieses Konzept aufgeht?

Nils Gutsche: Ganz einfach: Die Förderung in Anspruch nehmen! Leider ist sie weitestgehend unbekannt und so gibt es diesen großen Fördertopf, der nicht genutzt wird. Im Gegenteil, wir erleben im Tagesgeschäft zu häufig, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter weiterbilden wollen, aber die Ressourcen dafür fehlen. Das Qualifizierungschancengesetz ermöglicht dabei nicht nur eine finanzielle Förderung der Weiterbildung bis zu 100 Prozent, sondern darüber hinaus noch eine Entgeltzahlung von bis zu 75 Prozent, um die Unternehmen zusätzlich zu entlasten. Zertifizierte Bildungspartner wie brainymotion unterstützen dann beim Erstellen von Trainingsplänen, in der Kommunikation mit der Agentur für Arbeit und so weiter, sodass auch hier möglichst wenig Aufwand auf den Kunden zukommt. Klar, der komplizierte und lange Titel „Qualifizierungschancengesetz“ klingt nicht unbedingt einladend, ist aber goldwert für Unternehmen jeder Größe.

Entscheider kompakt: Verraten Sie uns doch noch, welche Lerninhalte im Moment am meisten gefragt sind und wo Ihrer Meinung nach langfristig die Reise hingeht?

Nils Gutsche: Cloudtechnologien wie Microsoft Azure, Office 365, insbesondere MS Teams und agile Projektmanagementmethoden wie Scrum, stehen schon seit einiger Zeit ganz oben auf dem Podest. Auch langfristig werden diese Themen meines Erachtens nicht an Relevanz verlieren. Es wird aber ein weiterer, großer Bereich dazu kommen: Künstliche Intelligenz (AI) und Quantencomputing. In vielen Belangen stecken wir hier noch in den Kinderschuhen. Allerdings werden schon jetzt jeden Tag neue Technologien und somit neue Potenziale geschaffen. Diese Entwicklung wird zu einer erneuten und vergleichsweise sogar noch spürbareren Veränderung unseres Alltags führen – egal ob privat oder im Job. Ich bin gespannt.

Entscheider kompakt: Das ist wirklich ein interessanter Ausblick. Auf dem nächsten DIGITAL FUTUREcongress ist Ihr Unternehmen mit einem Messestand und einem Vortrag vertreten. Hier geht es um innovatives Lernen als Erfolgsgarant. Was dürfen die Zuhörer erwarten?

Nils Gutsche: Innovatives Lernen stellt für viele noch ein Begriff dar, der erklärungsbedürftig ist und zu dem kein genaues Bild existiert. Wie kann Lernen innovativ sein? Ich möchte Unternehmen Möglichkeiten und Wege aufzeigen, wie Weiterbildungen heute modern, ressourcensparend, im höchsten Maße flexibel und zielgerichtet sowie vor allen Dingen nachhaltig funktionieren können. Denn Training und die Art, wie Wissen respektive Können vermittelt wird, passt sich natürlich ebenso an die neuen Anforderungen der Arbeitswelt und der Digitalisierung an.

Entscheider kompakt: Ganz herzlichen Dank für dieses interessante Interview.

 


Drucken   E-Mail