Alleinstellungsmerkmal für Mittelständler in digitalen Zeiten

Im Interview mit Carsten Bieker, Geschäftsführer der edv-anwendungsberatung zühlke & bieker GmbH (zubIT)

Die edv-anwendungsberatung zühlke & bieker GmbH (zubIT) mit Sitz in Recklinghausen vertritt eine konsequente Firmenphilosophie mit dem klaren Fokus auf individuelle Softwareentwicklung in einer gut ausgewählten Kombination zu Standard-Softwarelösungen. Erfahrungen konnte das Unternehmen in den letzten 27 Jahren insbesondere im Mittelstand und hier über alle Branchen hinweg sammeln. Lösungen werden für ERP/Warenwirtschaft, Produktion, Lager, CRM und immer mehr auch „Business Intelligence“ meist individuell erstellt. Im Interview mit Carsten Bieker, Geschäftsführer der zubIT, sprechen wir über die Herausforderung der Digitalisierung für den Mittelstand, neue Technologien für Unternehmen und was es bedeutet ein Best-Practice zu realisieren.

Entscheider kompakt: Herr Bieker, Digitalisierung lässt sich nicht mehr stoppen. Entweder mitmachen oder verlieren. Das ist die klare Devise, die im Moment in allen Fachzeitschriften zu lesen ist. Warum empfehlen Sie mittelständischen Unternehmen vor allen Dingen auf individuelle Softwarelösungen zu setzen?

Carsten Bieker
Es geht nicht um Individualität, sondern darum Lösungen zu finden, die das Unternehmen bestmöglich unterstützen und auf das Unternehmen angepasst sind. Dabei basieren unsere Lösungen auf skalierbaren Standard-Technologien, die schnell anpassbar und erweiterbar sind.

Entscheider kompakt: Lassen sich dadurch Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten?

Carsten Bieker
Für uns ist es wichtig, dass die von uns vorgeschlagenen Lösungen erfolgreich im Unternehmen eingesetzt werden. Dies ist für uns alleiniger Maßstab dafür, ob ein Projekt erfolgreich ist – und hierfür tun wir einiges. Wichtig ist die Mitnahme der Mitarbeiter, eine schnelle Umsetzung auf Basis von Standardtechnologien und die Anpassung auf die Anforderungen des Unternehmens. Dies hält dann auch die Kosten im Griff.

Entscheider kompakt: Für jedes Unternehmen ist Digitalisierung eine große Herausforderung. Haben es hier große Unternehmen leichter, da Sie die Verantwortung vielleicht in eine eigene Abteilung delegieren können?

Carsten Bieker
Grosse Unternehmen haben natürlich bedeutend mehr Ressourcen, die sie einsetzen können – sowohl vom Budget her aber auch von der Manpower. Verantwortung für die Digitalisierung kann man aber nicht delegieren, dies ist eine strategische Entscheidung und erfordert die Mitwirkung der Geschäftsleitung. Hier ist aber gerade auch eine Stärke des Mittelstands: Entscheidungen können schneller getroffen werden und es gibt vielfach immer noch die persönliche Verantwortung, die zählt. Wenn man ein gutes, agiles Team aus KnowHow-Trägern im Unternehmen und IT-Experten zusammenstellt, die nicht nur die Geschäftsprozesse des Kunden verstehen und beraten, sondern gerade auch umsetzen können, ist man auch als KMU sehr gut aufgestellt. Das KnowHow aus vielen Branchen, gepaart mit unserer starken Umsetzungsfähigkeit und die Bereitschaft beim Kunden Verantwortung zu übernehmen, ist das, was uns auszeichnet. In solchen – durchaus kleinen Teams – kann man als Mittelstand vieles umsetzen und die Chancen der Digitalisierung nutzen.

Entscheider kompakt: Ihr Unternehmen ist im Bereich der Lösungen sehr breit aufgestellt. Die Referenzliste zeigt Unternehmen im Bereich Chemie, Kunststoff Distribution und Logistik. Woran erkennt man ihrer Meinung nach erfolgreiche Unternehmen wenn es um Digitalisierung geht und welche Rolle spielen dabei neue Technologien?

Carsten Bieker
Hier gibt es zum einen eine interne Sicht der Mitarbeiter und dann die externe Sicht: Wie stellt sich das mein Unternehmen seinen Kunden und Lieferanten gegenüber dar, führt die Digitalisierung ggfl. auch zur Anpassung des Geschäftsmodells? Wo gibt es Risiken, wo liegen Chancen?

Im internen Bereich steht jedes Unternehmen unter einem hohen Druck, Prozesse zu optimieren und möglichst nicht-wertschöpfende Aufwendungen zu minimieren. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der KMU noch stärker trifft als große Unternehmen. Hierzu muss das Unternehmen eine Digital Leadership-Mentalität entwickeln: Wie kann ich meine Mitarbeiter befähigen, besser und schnellere Entscheidungen zu treffen? Wo kann ich Prozesse automatisieren? Wie kann ich Kunden- und Lieferantenanfragen schnell und qualifiziert beantworten. Der Einsatz von neuen Technologien ist kein Selbstzweck, sondern es muss immer sowohl die Perspektive der Mitarbeiter als auch der Kunden und Lieferanten berücksichtigen.

Wenn das Unternehmen die Interessen seiner Kunden- und Lieferanten in den Vordergrund stellt, so führt dies auch zu einem Wettbewerbsvorteil, der Kunden bindet. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass durch die Digitalisierung die Anforderungen stark gestiegen sind. Das was der Kunde privat bereits kennt: Schnelle Belieferung, günstige Preise, direkte Ansprache und (hoffentlich) qualifizierte Antwort und Hilfe, erwartet er auch B2B. Daran muß sich ein Unternehmen messen und ausrichten. Auch ist zu prüfen, ob es durch die neuen Technologien neue Geschäftschancen gibt oder aber bestimmte – bisher durchaus gut funktionierende Modelle durch die neuen Technologien gefährdet sind – bis hin zur Disruption, wo ganze Geschäftsbereiche zukünftig wegfallen. Auch dies gilt es für ein Unternehmen zu bewerten und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

Entscheider kompakt: Um echte Best-Practice zu realisieren ist Anstrengung auf beiden Seiten notwendig. Im Bereich der Programmierer, aber auch im Bereich der Anwender, die vielleicht die Prozesse im Unternehmen neu und digital denken müssen. Welche drei Elemente für eine erfolgreiche Best-Practice Lösung können Sie uns nennen?

Carsten Bieker
Zunächst geht es darum, offen für neues zu sein und bestehendes auch mal überdenken zu können. Dann geht es darum, Verantwortung an die beteiligten Mitarbeiter abzugeben und durch die Mitarbeiter diese Verantwortung auch wahrzunehmen Als Drittes benötigt ein Unternehmen einen Partner, dem es vertrauen kann und der das Unternehmen ergebnisoffen unter Berücksichtigung der aktuellen Technologien beraten kann. Hier gibt es auch viele Initiativen von Bund und Land, z.B. die Digital Hubs und Kompetenzzentren, die ein Unternehmen auch kostenlos in Anspruch nehmen kann. Bei aller Technologieaffinität – Sie haben es vielleicht schon gemerkt – kommt es letztlich auf die handelnden Menschen an.

Entscheider kompakt: Wir erleben im Moment im Mittelstand einen extremen Druck auf die IT Sicherheit. Angriffe in Form von krimineller Erpressung nehmen zu. Welche Empfehlungen haben Sie aus Ihrer Erfahrung wie sich mittelständische Unternehmen bestmöglich absichern können?

Carsten Bieker
Es gibt bestimmte Basismaßnahmen, die ein Unternehmen vornehmen muß, um sich bestmöglich abzusichern, wobei es einen 100% Schutz nicht gibt. Das Unternehmen muss sich seiner Risiken bewusst sein und definieren, was besonders schützenswert ist und wie ggfl. die Maßnahmen bei einem Sicherheitsvorfall sind, um schnellstmöglich wieder arbeitsfähig zu sein. Das – wie bei dem letzten EMOTET-Vorfall beim Berliner Oberlandesgericht die Aussage getroffen wird, dass man ab 2020 (also in 3 Monaten!) wohl wieder online sein wird, kann sich kein Unternehmen leisten. Ja, diese Maßnahmen kosten auch Geld, aber sie gehören heute zur normalen unternehmerischen Risikovorsorge, wie Arbeitsschutz, Qualitätsmanagement und Liquiditätssicherung. Auch hier ist für KMU ein guter Partner wichtig, der dem Unternehmen bei der Risikoeinschätzung hilft und die geeigneten Maßnahmen absichern kann. Auch die Beteiligung und Schulung (Awareness) der Mitarbeiter ist sehr wichtig.

Entscheider kompakt: Welche Rolle spielt dabei das Thema Datenschutz?

Carsten Bieker
In der Präambel zur DSGVO steht, dass diese zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten UND zum freien Datenverkehr dient. Dass die DSGVO ganze Geschäftsmodelle kaputt macht und normale Unternehmen behindert, ist eine Schreckgespenst und vielfach Geschäftemacherei. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass man den Schutz personenbezogener Daten durch geeignete Maßnahmen sinnvoll und ohne zu grossen bürokratischen Overhead in den Unternehmen umsetzen kann. Gut ist, wenn man dabei einen Partner mit praktischer Erfahrung hat und – sorry - keinen Juristen.

Entscheider kompakt: Auf dem nächsten Digital FUTUREcongress am 5. November in der Messe Essen sind Sie aufgrund Ihrer Erfahrung und Ihrer Expertise über die vielen Jahre als Themenpate der Bühne 3 ausgewählt worden. Dazu herzlichen Glückwunsch! Welche Schwerpunkte wollen Sie bei der Moderation setzen?

Carsten Bieker
Es geht darum, in den einzelnen Vorträgen, die Punkte herauszuarbeiten, die für Unternehmen relevant sind. Die Unternehmen sollen möglichst direkt Anknüpfungspunkte finden, die sie im Unternehmen weiter verfolgen können. Hierzu freue ich mich auf die verschiedenen, durchaus unterschiedlichen Themen und Vortragenden.

Entscheider kompakt: Ganz herzlichen Dank für dieses spannende Gespräch. Wir freuen uns mit Ihnen auf einen intensiven und fantastischen Digital FUTUREcongress am 5. November in der Messe Essen….

 


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